Subwoofer-Guide Teil 5 - Was bringt eigentlich ein zweiter Subwoofer? – Vorteile und Möglichkeiten erklärt

Jens Ragenow
von Jens Ragenow
18.12.2023

Was habe ich als Musikhörer und Filmgucker eigentlich davon, wenn ich statt nur einem gleich zwei Subwoofer ins heimische Wohnzimmer stelle? Oder in Kurzform: Was bringt ein zweiter Subwoofer? Nun, dieser Frage wollen wir heute mal etwas genauer auf den Grund gehen.Subwoofer Aufstellung 2 Moeglichkeiten

Wir haben noch viel mehr zu bieten - Unser Subwoofer-Guide als Artikelserie

Hierbei handelt es sich um den fünften Teil unserer sechsteiligen Subwoofer-Guide-Serie. Die einzelnen Artikel teilen sich wie folgt auf:

Schnellnavigation zum Thema: „Was bringt ein zweiter Subwoofer?“

  • Warum Sie sich für zwei identische Subwoofer entscheiden sollten
  • Wie Sie zwei Subwoofer an einen Verstärker anschließen – drei Wege im Überblick
  • Variante 1: Beide Subwoofer in der Front – mehr Pegel und gleichmäßige Queranregung
  • Variante 2: Diagonale Aufstellung – Längsmoden bekämpfen
  • Variante 3: Das Spiel mit der Übergangsfrequenz – maximaler Tiefgang und Druck
  • Variante 4: Invertierte Polarität – kompromisslose Präzision am Hörplatz
  • Delay, Phase und Polaritätsumkehr – was den Unterschied macht
  • Homogenität, Dröhnfreiheit, Tiefgang oder Präzision – Sie entscheiden

Wichtige Vorüberlegung für die Aufstellung von zwei (oder mehr) Subwoofern

Damit die zusätzlichen Subwoofer akustisch ein Zugewinn an Qualität sind, sollten diese zwingend identisch sein. Wenn Sie sich also für einen Monitor Audio Silver W-12 oder einen Subwoofer aus der Anthra-Serie entschieden haben und möchten einen zweiten Subwoofer ergänzen, greifen Sie bitte unbedingt zum gleichen Modell bzw. zu einem Modell aus der gleichen Serie.

Nur mit identischen Subwoofern ist sichergestellt, dass Frequenzgang, Phasenlage (also das Zeitverhalten) und Lautstärkepegel auch wirklich über das gesamte Frequenzspektrum zueinander passen und sich die Subwoofer wirkungsvoll ergänzen.

Was bringt ein zweiter Subwoofer?

Zwei kleinere Subwoofer sind flexibler aufstellbar – bei gleichem Pegel

Zwei kleine Subwoofer bieten gegenüber einem großen Subwoofer den Vorteil, dass sie praktisch den gleichen Pegel erzeugen können, dabei aber weniger Platz brauchen bzw. flexibler aufgestellt werden können. Merksatz: Je weiterem Subwoofer ergeben sich drei bis sechs Dezibel mehr Pegel.

Hier sei aber erwähnt, dass ein großer Subwoofer mehr Tiefgang im Bass liefert als mehrere kleine Subwoofer. Also im Idealfall entscheiden Sie sich einfach für mehrere große Subwoofer.

Zwei Subwoofer liefern eine ausgewogenere Raumakustik

Ein Subwoofer regt den Raum im Bass ungleichmäßig an und sorgt immer an einigen Stellen im Raum für Dröhnen (Überhöhungen im Bass) und Auslöschungen. Mit zwei Subwoofern lässt sich diesem Problem elegant begegnen. Dabei gibt es zwei mögliche Ansätze.

Exkurs: Was sind Raummoden?

In Kurzform: Die Überlagerung von Schallwellen. In Langform: Wenn die vom Subwoofer abgestrahlten Schallwellen an einer gegenüberliegenden Wand reflektiert werden und die Wellenlänge dabei der halben, ganzen oder mehrfachen Wellenlänge des Ursprungssignals entspricht, sprechen wir von „stehenden Wellen“.

Je nachdem wie die beiden Schallwellen aufeinandertreffen, können sie sich aufaddieren (der Pegel, bzw. die Lautstärke wird wesentlich lauter) auslöschen (das Basssignal „verschwindet“) oder es zu Mischformen davon kommen kann. Dieser Effekt ist im Übrigen immer dem Raum an sich und der Aufstellung der Lautsprecher geschuldet. Die Qualität und Güte der Lautsprecher hat darauf keinen Einfluss.

Wie werden zwei Subwoofer am besten aufgestellt?

Variante 1: Beide Subwoofer parallel in der Front - bekämpft Quermoden

Subwoofer Aufstellung front

Wenn Sie einen recht breiten Raum haben, kommt es oft zu Quermoden (also Ungleichheiten im Bass in der Breite des Raumes, wenn Sie sich in der Breite des Raumes bewegen). Zwei Subwoofer in der Front – einer auf 25% Raumbreite und einer auf 75% Raumbreite aufgestellt – erzeugen dann eine gemeinsame Wellenfront, die den Raum in der Breite gleichmäßig anregt. Gleichzeitig steigt der Pegel im Bass um bis zu sechs Dezibel. Steht Ihr Sofa nah an der Rückwand, wird es trotzdem dröhnen, weil dann immer noch die Längsmode angeregt wird.

Beide Subwoofer arbeiten dazu gleichphasig und müssen gegebenenfalls über das Delay angepasst werden (dazu später mehr).

Variante 2: Beide Subwoofer diagonal von vorn nach hinten im Raum - bekämpft Längsmoden

Subwoofer Aufstellung vorn hinten

Steht das Sofa nah an der Wand, nehmen Sie üblicherweise die Längsmode wahr (Wummern und Auslöschungen, wenn Sie sich vor und zurück bewegen).

Dann ist die diagonale bzw. Längsaufstellung der beiden Subwoofer ideal. Sprich, die beiden Subwoofer stehen auf einer gedachten Linie vorn und hinten im Raum und schauen sich gegenseitig an. Idealerweise ist diese gedachte Linie genau in der Mitte des Raumes oder – wenn das nicht geht – sollten sich die beiden Subwoofer einfach diagonal aus den Raumecken heraus anschauen. Gleichzeitig steigt auch hier der Pegel im Bass um bis zu sechs Dezibel.

Beide Subwoofer arbeiten dazu gleichphasig und müssen gegebenenfalls über das Delay angepasst werden (dazu später mehr).

Variante 3: Der maximale Druck und Tiefgang mit zwei Subwoofern

Subwoofer Aufstellung front

Wer Bass nicht nur hören, sondern auch wirklich richtig tief und mächtig spüren möchte, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit für Möglichkeit drei erwärmen können. Hierbei wird ein Subwoofer normal eingestellt und eingepegelt und dieser deckt den kompletten Frequenzbereich (im Bass) ab.

Beim zweiten Subwoofer wird die Übergangsfrequenz deutlich heruntergeregelt auf etwa 40 bis 50 Hertz und der Pegel gleichzeitig erhöht. Dadurch, dass der zweite Subwoofer nun einen deutlich kleineren Frequenzbereich abdecken muss, hat er wesentlich mehr „Luft“ für größere Auslenkungen. Und dementsprechend mehr Pegel und Tiefgang.

Beide Subwoofer arbeiten dazu gleichphasig und müssen gegebenenfalls über das Delay angepasst werden (dazu später mehr). Damit es klanglich nicht zu Auslöschungen und Überhöhungen kommt, sollten auch bei dieser Variante die beiden Subwoofer in der Front auf 25% und 75% des Raumes stehen. Eine Aufstellung vorn und hinten im Raum oder diagonal ist hier nicht zu empfehlen!

Variante 4: Die kompromisslose Profivariante mit invertierter Phase

Subwoofer Aufstellung vorn hinten

Im Gegensatz zu den Varianten 1 und 2 arbeiten wir in dieser Variante mit invertierter (nicht 180° gedrehter! - warum, erklären wir gleich) Phase an einem Subwoofer - üblicherweise dem rückwärtigen.

Aufgestellt werden die beiden Subwoofer dabei wie in Variante 2 – die beiden Subwoofer schauen sich also gegenseitig an. Der “Trick” dabei ist jetzt, dass (üblicherweise) der vordere Subwoofer den Bass “in Phase” abstrahlt und der andere (üblicherweise der rückwärtige) Subwoofer die gleiche Basswelle “phaseninvertiert”, also 180° bzw. “spiegelverkehrt wiedergibt. Sprich: Wo der Front-Subwoofer einen Wellenberg erzeugt, erzeugt der rückwärtige Subwoofer ein Wellental und umgekehrt. Der Bass löscht sich also kontrolliert aus.

Damit das akustisch sauber klappt, muss der phaseninvertierte Subwoofer mit einem Delay so eingestellt werden, dass der von ihm abgestrahlte Bass erst hinter dem Hörplatz auf den Bass des phasenrichtigen Subwoofers trifft und ihn somit eliminiert. Somit gibt es am Hörplatz einen perfekt sauberen Bass und keine störende Reflexion an der Rückwand. Dadurch wird der Bass extrem präzise und knackig.

Einziger echter Nachteil: Dadurch, dass der Bass sich hinter dem Hörplatz auslöscht, addiert er sich nicht auf und die sechs Dezibel Pegelzugewinn fallen aus.

Delay, Phase und warum Invertierung und 180°-Drehung nicht das Gleiche sind

Bei Subwoofern gibt es im Wesentlichen drei verschiedene Begriffe bzw. Möglichkeiten auseinanderzuhalten, um einen knackigen Bass zu garantieren.

Der wichtigste Punkt: Delay

Damit der von zwei (oder mehr) Subwoofern erzeugte Bass zum richtigen Zeitpunkt an Ihrem Ohr ankommt und schlüssig klingt, muss oftmals der Bass an einem (oder mehreren) Subwoofer zeitlich verzögert werden. Steht der Subwoofer in der Front bspw. zwei Meter weg, der Subwoofer im Rücken aber nur einen Meter, käme der Bass vom rückwärtigen Subwoofer früher am Ohr an und würde mit dem Bass vom Front-Subwoofer “auseinanderfallen”. Über das Delay wird genau diese Zeitdifferenz zwischen den beiden Subwoofern berechnet und der Bass des im Beispiel rückwärtigen Subwoofers entsprechend verzögert.

Das Delay wird üblicherweise über den AV-Receiver oder die Vorstufe berechnet und von dort auch entsprechend verwaltet.

Phase und Phaseninvertierung und was das Delay anders macht

Oftmals wird bei der Einstellung von einem oder mehreren Subwoofern dazu geraten, diese über den Phasenregler miteinander zu synchronisieren. Doch leider führt das oftmals zu klanglich miserablen Ergebnissen. Denn der Phasenregler verschiebt zwar frequenzrichtig, aber nicht zeitrichtig.

Einfach formuliert: Eine Frequenz von 30 Hertz hat eine Wellenlänge von 11,4 Metern, eine Frequenz mit 60 Hertz eine Wellenlänge von 5,7 Metern. Der Phasenregler verzögert aber jeweils den Wellenberg jeder einzelnen Frequenz individuell! Sprich: Würde man eine Phasendrehung von 180° einstellen, würde die 30-Hertz Frequenz um 16,7 Millisekunden verzögert, die 60-Hertz-Frequenz aber nur noch um 16,7 Millisekunden. Das lässt sich auch ganz einfach aus der Schallgeschwindigkeit in Metern pro Sekunde (343 Meter) geteilt durch die abzustrahlende Frequenz ermitteln.

Mit einer Drehung am Phasenregler kann man also eine bestimmte Frequenz korrigieren, die anderen Frequenzen verschieben sich aber in einem anderen Verhältnis, was definitiv nicht gewollt ist.

Eine Phaseninvertierung – also eine Polaritätsumkehr – per Knopfdruck oder Schiebeschalter am Subwoofer ist hingegen unproblematisch, da dies rein elektrisch passiert: Am Treiber werden einfach Plus und Minus vertauscht. Im Gegensatz zur Drehung am Phasenregler wirkt das gleichmäßig auf alle Frequenzen – das Zeitverhalten bleibt identisch. Deshalb wird die Polaritätsumkehr zwar oft als „180°-Phasendrehung" bezeichnet, ist aber etwas grundlegend anderes.

Was bedeutet das nun für die Einrichtung von mehreren Subwoofern?

Der Phasenregler wird auf 0° gestellt und bleibt auch da. Punkt. Wenn Sie Laufzeitdifferenzen zwischen den Subwoofern korrigieren müssen (und das müssen Sie meistens), wird das ausschließlich über das Delay am AV-Prozessor oder der Vorstufe gemacht.

Die Phaseninvertierung für das Modell mit dem “schiebenden” und dem “saugenden” Subwoofer aus Variante 4 wird ausschließlich auf Knopfdruck durchgeführt, sofern der Subwoofer einen entsprechenden Schalter hat. Falls nicht, sprechen Sie am besten mit Ihrem Fachhändler über eine entsprechende Lösung.

Wenn der Phasenregler so problematisch ist – wozu gibt es ihn denn dann überhaupt?

Der Phasenregler spielt immer dann seine Stärken aus, wenn ein Subwoofer mit anderen Lautsprechern im Bass synchronisiert werden soll, es aber keine Möglichkeit zur Einstellung eines Delays gibt.

Im Bereich der Übergangsfrequenz kommt es üblicherweise zu einem “Loch” im Frequenzgang, weil der Lautsprecher dort bereits leiser spielt, der Subwoofer aber noch nicht mit vollem Pegel einsetzt – im Übergangsbereich addieren sich beide nicht automatisch zum vollen Pegel. Sie drehen dann einfach so lang am Phasenregler, bis der Bass im Bereich der Übergangsfrequenz vom Lautsprecher zum Subwoofer am lautesten ist, um diesen Effekt auszugleichen.

Kommt es dann nicht trotzdem zu Phasenverschiebungen im Bass?

Absolut! Da es aber unterhalb der Übergangsfrequenz keine (nennenswerten bzw. gut hörbaren) Überschneidungen mehr im Bass zwischen Lautsprecher und Subwoofer gibt, ist der Effekt der Phasenverschiebung im Bass zu vernachlässigen.

Der Anschluss von zwei Subwoofern an einen Verstärker – Viele Wege führen nach Rom

Nicht ganz unwichtig ist, wie Sie überhaupt zwei Subwoofer an einen Verstärker anschließen können. Nicht jeder AV-Receiver und erst recht nicht jeder Stereoverstärker hat zwei Subwoofer-Ausgänge. Das soll uns aber nicht aufhalten!

Wenn Ihr Verstärker über zwei Subwoofer-Ausgänge verfügt, schließen Sie diese auch direkt daran an. Sonst haben Sie zwei Möglichkeiten:

Anschluss der beiden Subwoofer wie Daisy Chaining

Einige Subwoofer wie bspw. die Monitor Audio Anthra-Serie haben auch die Möglichkeit, einen zweiten Subwoofer daran anzuschließen und das Signal durchzuleiten (das sogenannte "Daisy Chaining"). Dabei ist allerdings darauf zu achten, ob der Subwoofer das Signal unverändert weitergibt oder ob es durch den ersten Subwoofer gefiltert bzw. bearbeitet wird.

Grundsätzlich empfiehlt sich, jedem Subwoofer ein ungefiltertes, unbearbeitetes Signal zur Verfügung zu stellen, je nach Einsatzszenario kann es aber auch sinnvoll sein (siehe Option 3 aus dem vorherigen Absatz), den nachfolgenden Subwoofern ein gefiltertes Signal zur Verfügung zu stellen.

Anschluss der beiden Subwoofer via Y-Adapter

Dabei wird das Subwoofer-Signal aus dem Verstärker einfach via Y-Kabel auf zwei Anschlüsse parallel ausgegeben und die Einstellungen für den Bass individuell am jeweiligen Subwoofer vorgenommen.

Wichtig: Einstellungen wie das Delay sind dann nicht getrennt möglich!

Zusammengefasst - was bringt ein zweiter Subwoofer? Homogenität und Pegel, Dröhnfreiheit oder maximalen Tiefgang!

So viel zur Theorie - Jetzt sind Sie an der Reihe!

So viel zur (oberflächlichen) Theorie und den Vorteilen von zwei Subwoofern und deren Möglichkeiten. Noch viel mehr dazu erfahren und vor allem auch selbst ausprobieren können Sie das im Gespräch mit Ihrem Fachhändler vor Ort.

Oder Sie schauen sich unsere neuen Monitor Audio Anthra-Subwoofer an, die nicht nur einen hervorragenden parametrischen Equalizer zum selbst kalibrieren mitbringen, sondern zudem auch via Daisy Chaining zu Gruppen von bis zu vier Subwoofern kombiniert werden können.

Neugierig? Hier geht's zur Übersicht: Monitor Audio Anthra 1G auf derbesteklang.de.

Ihr Subwoofer brummt und Sie sind genervt? Dann geht es in Teil 6 weiter!

Ein leidiges Thema bei Subwoofern ist das nervige Brummen. Wir haben uns dazu Gedanken gemacht und diese in Teil 6 unseres Subwoofer-Guides aufgeschrieben. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

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